#homeoffice: Motivation der Schüler*innen

Bald sind Osterferien – man merkt es kaum, denn im Grunde sitzen wir bereits seit fast drei Wochen zu Hause. Insbesondere für viele unserer DaZ-Schüler*innen ist dies eine unerträgliche Situation. Ein paar leben noch in einer städtischen Unterkunft. Für sie sind die tristen grauen Wände nun das Einzige, was sie sehen. Natürlich, sie können spazieren gehen! Fußball spielen – naja, neben dem Bolzplatz.

Letzte Woche schrieb mir ein Schüler, dass er mit seinen drei Brüdern draußen war – eigentlich ja erlaubt, da sie zur zusammenlebenden Familie gehören. Dennoch wurden sie gesehen, fotografiert und offensichtlich bei der Polizei gemeldet. Davon gingen sie zumindest aus, nachdem ein ältere Dame sie fotografiert hatte und eine halbe Stunde später ein Polizeiwagen an ihnen vorbei fuhr. Glücklicherweise waren sie bereits auf dem Weg in ihre Unterkunft. Tja.

Viele andere Schüler*innen leben in privaten Wohnungen, aber auch ihnen fällt die Decke auf den Kopf. Freunde treffen – tabu. Durch die Stadt schlendern – tabu. Wenn dann noch hinzukommt, dass sie keinen Balkon oder Garten besitzen – unerträglich!

Na, ein Glück – wir haben uns eine digitale Strategie ausgedacht, wie wir erstens Kontakt zu unseren Schüler*innen halten und zweitens auch Aufgaben zum Üben stellen können. Ersteres finde ich jedoch noch wichtiger, denn oftmals sind es gerade die persönlichen Gespräche, Unterstützungsmaßnahmen und Motivationen, die sowohl die Schüler*innen als auch ihre Familien benötigen. Nicht einfach in Zeiten wie diesen. Da wir mit den meisten Eltern sowieso schon via WhatsApp vernetzt sind und die Schüler*innen in diesem Messenger zu Hause sind, haben wir dieses auch genutzt, um eine Gruppe mit allen Schüler*innen zu kreieren, die teilnehmen wollten – also eigentlich allen.

Doch wie unterrichtet man DaZ via WhatsApp? Das geht natürlich nicht, denn über diesen Messenger können wir höchstens lustige Strichmännchenspiele spielen und uns ein wenig auf Deutsch unterhalten. Daher habe ich zwei weitere Tools eingeführt: PADLET und Google Forms.

Mit PADLET kann eine Pinnwand erstellt werden, die alle Infos, Aufgaben, Ergebnisse etc. bündelt. Google Forms stellt eine schöne Alternative dar, um den Schüler*innen kleine Quiz zu erstellen. Diese können sie kurzerhand (ohne PC) am Handy bearbeiten und erhalten direkt ihre Ergebnisse inklusive erreichte Punkte.

PADLET

Padlet ist ein Tool, mit dem bis zu 3 Boards kostenlos erstellt werden können – zum Ausprobieren völlig ausreichend. Einmal kurz registriert, erhält man seine eigene Pinnwand, kann Hintergründe wählen und Videos, Fotos, Links sowie Text posten. Das Ergebnis ist öffentlich! Jeder, der den Link kennt, kann auf diese Pinnwand zugreifen.

Screenshot eines Boards auf Padlet

GOOGLE FORMS

Um Google Forms nutzen zu können, benötigt man lediglich eine Gmail-Emailadresse. Datenschutzrechtlich ist das natürlich eine Grauzone, da meine Schüler*innen jedoch keine Daten herausgeben müssen, wenn sie das Formular am Ende ausfüllen und die IP-Adresse bei jeder anderen Handlung im Web ebenfalls gespeichert wird, habe ich dieses Tool genutzt.

Im Nullkommanichts habe ich ein Quiz erstellt, wie oben beschrieben, mit freien Antwortmöglichkeiten oder auch Multiple-Choise. Ich habe Bilder und Videos eingefügt, um die Schüler*innen ein wenig länger bei der Stange zu halten.

Screenshot Google Forms

Google Forms ist eine tolle Sache, denn neben der Tatsache, dass ich alle Ergebnisse der Teilnehmer*innen gebündelt unter Antworten finde, kann ich mit einem Klick eine Excel-Tabelle erstellen, in der sämtliche Antworten, Punkte und sogar der Zeitpunkt der Bearbeitung gespeichert werden. Da ich in meinen Formularen lediglich nach den Vornamen fragte, stellt sich für mich auch hier kein Verstoß gegen die Datenschutzgesetze dar. Wenn jemand anderer Meinung ist, belehrt mich gerne … die Schüler*innen müssen sich übrigens NICHT registrieren und benötigen KEINEN Gmail-Account.

Für beide Tools gibt es Apps – sowohl im Apple-Store als auch im Play Store. So konnte ich sowohl am PC, Tablet als auch Handy auf diese Tools zugreifen.

Und das Beste: Die Schüler*innen hatten Spaß! Voller Stolz präsentierten sie oft via Screenshot ihre Ergebnisse in unserer WhatsApp-Gruppe.

Mein Fazit:

Mir ging es in diesen drei Wochen weniger darum, die Schüler*innen aufs Biegen und Brechen ans Arbeiten zu bekommen, sondern vielmehr schlichtweg den Kontakt zu halten und ihnen die Möglichkeit zu geben, Deutsch zu sprechen und Wiederholungsaufgaben zu bearbeiten. Ich habe ihnen Online-Webseiten empfohlen, wo sie selbständig und allein üben können. Wir haben Kontakt gehalten und waren auch für persönliche Anfragen offen. Wir haben Telefonate geführt, uns abgesprochen und die Schüler einfach versucht bei Laune zu halten. Denn natürlich hatten sie auch Aufgaben der anderen Fächer (insbesondere Mathe und Englisch) bei den jeweiligen Fachlehrern bekommen, die sie in den drei Wochen bearbeiten sollten.

Die beiden Apps waren mir eine gute Hilfe! Denn ich habe gemerkt, dass die Schüler*innen viel lieber ein Quiz meisterten als irgendwelche Schreibaufgaben oder Bausteinaufgaben zu lösen.

Natürlich habe ich in dieser Zeit des Homeoffice auch viele weitere Tools kennengelernt und ausprobiert – aktuell fand ich diese jedoch “zu viel” für unsere Schüler*innen, erst recht in dieser Situation. Denn auch für sie ist alles neu, sie fühlen sich komisch, haben Langeweile und gleichzeitig ebenso viel Angst, sich selbst oder Angehörige mit dem Corona-Virus zu infizieren.

Ich bin gespannt, wie sich die Situation entwickeln wird – und ob wir tatsächlich nach den Osterferien wieder ganz normalen DaZ-Unterricht in der Schule haben werden. Obwohl – das ein oder andere Tool würde ich auch länger nutzen. Denn ein Gutes hat das Ganze: Ich habe etliche Ideen für wortschrei gesammelt und versuche sie gerade einzupflegen. Zu Hause, im Homeoffice. Ich finde es viel zu schade, meine entwickelten digitalen Produkte einfach so in der Cloud versauern zu lassen.

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