DaF | DaZ

FIT in Deutsch, nicht diesmal!

Das FerienIntensivTraining für zugewanderte Kinder und Jugendliche fällt aufgrund der Corona-Krise aus

Wenn aus mucksmäuschenstillen Mädchen echte Plappermäulchen werden, aus vermeintlichen Mauerblümchen strahlende Persönlichkeiten und aus sprachlichen Häppchen große Happen, dann reden wir vom FerienIntensivTraining “FIT in Deutsch”. Denn genau das ist es, was mich überrascht, erfreut und auch ein wenig stolz macht. Das sonst so ruhige Mädel, das bis ins Detail genau überlegt, wie sie die deutsche Grammatik korrekt anwendet, spricht plötzlich völlig spontan und frei von Zwängen, alles richtig machen zu müssen. Ein anderes Mädel, das sich sonst eher schüchtern in ihrer kleinen deutschen Wortwelt bewegt, spricht plötzlich über dies und das. Volltreffer!

Doch diesmal ist alles anders:

Genau in diesem Moment würden wir vielleicht unser erstes Kicker-Turnier starten. Vielleicht wären wir auch schon an der Ruhr unterwegs oder würden ein Eis essen. Nicht diesmal, denn ich musste meinen internationalen Schüler*innen leider mitteilen, dass FIT in Deutsch, das vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen geförderte FerienIntensivTraining, das nun zum fünften Mal in den Osterferien an der Agnes-Wenke-Sekundarschule hätte stattfinden sollen, gekänzelt wurde. Keine einfache zu übermittelnde Botschaft, stellt dieses Ferienprogramm doch für viele dieser Kinder und Jugendlichen in Arnsberg ein echtes Highlight dar.

Erinnerungen, die ermuntern

Wir haben mit den Jugendlichen innerhalb der letzten vier FerienIntensivTrainings die Feuerwehr besucht, den Bringhof in Arnsberg, den Markt in Neheim, die Polizeiwache in Hüsten, das Reformhaus Mommertz und sogar den Bürgermeister der Stadt Arnsberg, Ralf Paul Bittner. Auf diese Art und Weise haben wir neben vielen kreativen und sportlichen Aktionen auch Sprechanlässe geboten, die sowohl vorbereitet als auch nachbereitet wurden. Mit viel Spiel, Spaß und Engagement.

Insgesamt bin ich positiv überrascht. Darüber,

  • dass trotz Freiwilligkeit so viele Tag für Tag wieder kamen.
  • dass Respekt großgeschrieben wurde.
  • dass trotz gelegentlicher kleiner Nörgeleien motiviert und engagiert mitgearbeitet wurde.
  • dass die Tagesabläufe hingenommen und nicht diskutiert wurden.
  • dass alle so viel Spaß miteinander hatten.
  • dass wir unsere Ziele erreichten!

„Wir sprechen zu Hause nicht Deutsch. Hier kann ich Deutsch sprechen.“
14-jährige Teilnehmerin

„Ich habe viele neue Wörter gelernt!“
13-jährige Teilnehmerin

„Ferien ist langweilig. Ich bleibe zu Hause und mache nichts. Hier macht Spaß!“
15-jähriger Teilnehmer

„Ich wollte DANKESCHÖN für alles sagen. Es war sehr schön mit euch und ich finde, dass diese Woche tolle Woche war!“
16-jährige Teilnehmerin

UND JETZT?

Die Schüler*innen sitzen zu Hause, halten sich an die Kontaktsperre und beschäftigen sich mit ihren Handys, Spielekonsolen und Hausaufgaben.

Größtenteils überwiegt jedoch die Langeweile – ebenso, wie die Sorge, wie die Zukunft aussehen wird.
Wann fängt die Schule wieder an?
Wann dürfen wir Freunde treffen?
Wann wieder shoppen gehen?
Wann wieder zum Fußballtraining?
Und WANN IST ENDLICH WIEDER
FIT IN DEUTSCH?

BALD – und dann umso intensiver!

Wir werden wieder lachen.
Wir werden wieder spielen.
Wir werden wieder raus gehen.
Wir werden wieder Eis essen.
Und ja:
Wir werden wieder FIT in DEUTSCH sein!

Bis dahin nutzen wir die modernen und unphysischen Wege, um Kontakt zu halten:
Wir chatten.
Wir skypen.
Wir telefonieren.

Das Wichtigste jedoch:
WIR BLEIBEN GESUND!

Autorin

Kaffeesüchtige und ein bisschen verrückte, weiterbildungserfahrene Bildungsbloggerin. War mal Rechtsanwaltsfachangestellte und Journalistin. Verliebte sich jedoch in den Beruf der DaZ-Lehrerin und bildete sich zur Integrationsmanagerin fort. Dieses Blog ist ihr Herzensprojekt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.