Echt jetzt?

Danke CORONA

Donnerstagmittag. Als sei es nicht schon schlimm genug, überhaupt von einem Unfall des eigenen Kindes zu hören, übertrumpfte diese Hiobsbotschaft: Besuchsverbot! Corona.

Mein Sohn ist 18 Jahre alt und damit bin ich meine Rechte los. Beide Arme seien gebrochen, so die telefonische Info. Er müsse sofort operiert werden. Ich solle mir keinen Kopf machen und brauche auch nicht kommen. Es brauche eh seine Zeit. Und außerdem bestünde ein Besuchsverbot. Man könne mich eh nicht zu ihm lassen.

Dennoch: Ich packte ihm ein paar Dinge ein – Kopfhörer, Kekse, Kleidung. Was man halt so mitgibt. Dass er seine Kekse gar nicht selbständig essen können wird – wusste ich da noch nicht. Dass er sogar Hilfe beim Aufsetzen seiner Kopfhörer brauchen wird, ebenso wenig. Eigentlich wusste ich gar nichts. 

Eine Fahrstunde später – verwirrt schaut man mich an: „Ich hatte Ihnen doch gesagt, dass Sie nicht kommen müssen!?“

Na, jetzt mal ehrlich: Interessiert mich das als Mutter? 

Kein einziges meiner Argumente nützte. Ich durfte nicht zu ihm. Er sei noch im OP.

Es zerreißt einem schlicht das Herz zu wissen, dass das eigene Kind vielleicht 50 Meter von einem entfernt liegt, man aber nichts machen kann. Wie in Trance fuhr ich zurück, den Kopf voller Fragen. Fragen, die mir zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten konnte.

Zuhause angekommen rief ich direkt im Krankenhaus an. Man vertröstete mich. Er sei noch nicht auf der Station. Zwei Stunden später – immer noch nix.

Eine Stunde später endlich der erlösende Anruf. Mein Sohn selbst. Ihm geht es schlecht. Seine Stimme zittert. Er hat Schmerzen. Seine Hände kann er nicht bewegen, darf es auch gerade nicht. Vollgepumpt mit Medikamenten fühlte er sich schwach. Er wollte nach Hause. Ich wäre sofort wieder zu ihm gefahren. Durfte es aber nicht!

Freitagmorgen. Immer noch unter Schmerzen. Heimweh.

Dazu noch die Angst, die Telefonverbindung könnte unterbrechen – schließlich kann er alleine nichts am Handy machen. Seinen Zimmernachbarn wollte er nicht immer fragen. Also Standleitung, 13 Stunden lang. Tag für Tag.

Irgendwie mussten wir das Problem des Besuchsverbots ja lösen. 

Wir haben ihm beim Schlafen zugehört, beim Unterhalten mit dem Zimmernachbarn, bei der Physio und auch bei den danach eingetretenen Schmerzen. Wir haben versucht ihn aufzumuntern, haben gescherzt und auch er hatte einige Momente, in denen er lachen konnte.

Da und doch nicht da! Nur wegen CORONA!

Zuhause wird er seine Hände immer noch nicht nutzen können und extrem eingeschränkt sein – aber wenigstens zu Hause. In gewohnter Umgebung – mit seiner Familie und seiner Freundin!

Kein Corona – und doch „corona-geschädigt“.

Autorin

Kaffeesüchtige und ein bisschen verrückte, weiterbildungserfahrene Bildungsbloggerin. War mal Rechtsanwaltsfachangestellte und Journalistin. Verliebte sich jedoch in den Beruf der DaZ-Lehrerin und bildete sich zur Integrationsmanagerin fort. Dieses Blog ist ihr Herzensprojekt!

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