Interview in der Westfalenpost Arnsberg

2in1 DaZ und Integration

Als einst gelernte ReFa arbeitete ich jahrelang als Online-Redakteurin und Lokal-Journalistin für die verschiedensten Zeitungen und Institutionen.

Seit fünf Jahren unterrichte ich neben einer erfahrenen Kollegin Deutsch als Zweitsprache an der Agnes-Wenke-Sekundarschule in Neheim. Ich denke, ich habe mein berufliches Steckenpferd gefunden.

Diese Phase soll nun ein Ende haben – leider gab es keine Vertretungsstelle mehr (ein Lehramtstudium habe ich nicht).

Die Zeit hat mich einiges gelehrt – unter anderem habe ich eine DaZ-Qualifikation am Goethe Institut absolviert und ein Zertifikatsstudium zum Integrationsmanagement an der FHM Bielefeld.

Zukünftig studiere ich Rechtswissenschaften für den Bachelor of Law an der FernUni Hagen [zwecks Erweiterung meiner Kenntnisse und Fachsprachen (!)] und arbeite, ebenfalls als DaZ-Lehrerin, bei der Malteser Werke gemeinnützige GmbH …

Ich freue mich sehr auf meine neuen Herausforderungen …

WP-Bericht online:

https://www.wp.de/staedte/arnsberg/huesten-thora-meissner-ist-integrationsmanagerin-mit-herz-id231473663.html

Danke CORONA

Danke CORONA

Donnerstagmittag. Als sei es nicht schon schlimm genug, überhaupt von einem Unfall des eigenen Kindes zu hören, übertrumpfte diese Hiobsbotschaft: Besuchsverbot! Corona.

Mein Sohn ist 18 Jahre alt und damit bin ich meine Rechte los. Beide Arme seien gebrochen, so die telefonische Info. Er müsse sofort operiert werden. Ich solle mir keinen Kopf machen und brauche auch nicht kommen. Es brauche eh seine Zeit. Und außerdem bestünde ein Besuchsverbot. Man könne mich eh nicht zu ihm lassen.

Dennoch: Ich packte ihm ein paar Dinge ein – Kopfhörer, Kekse, Kleidung. Was man halt so mitgibt. Dass er seine Kekse gar nicht selbständig essen können wird – wusste ich da noch nicht. Dass er sogar Hilfe beim Aufsetzen seiner Kopfhörer brauchen wird, ebenso wenig. Eigentlich wusste ich gar nichts. 

Eine Fahrstunde später – verwirrt schaut man mich an: „Ich hatte Ihnen doch gesagt, dass Sie nicht kommen müssen!?“

Na, jetzt mal ehrlich: Interessiert mich das als Mutter? 

Kein einziges meiner Argumente nützte. Ich durfte nicht zu ihm. Er sei noch im OP.

Es zerreißt einem schlicht das Herz zu wissen, dass das eigene Kind vielleicht 50 Meter von einem entfernt liegt, man aber nichts machen kann. Wie in Trance fuhr ich zurück, den Kopf voller Fragen. Fragen, die mir zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten konnte.

Zuhause angekommen rief ich direkt im Krankenhaus an. Man vertröstete mich. Er sei noch nicht auf der Station. Zwei Stunden später – immer noch nix.

Eine Stunde später endlich der erlösende Anruf. Mein Sohn selbst. Ihm geht es schlecht. Seine Stimme zittert. Er hat Schmerzen. Seine Hände kann er nicht bewegen, darf es auch gerade nicht. Vollgepumpt mit Medikamenten fühlte er sich schwach. Er wollte nach Hause. Ich wäre sofort wieder zu ihm gefahren. Durfte es aber nicht!

Freitagmorgen. Immer noch unter Schmerzen. Heimweh.

Dazu noch die Angst, die Telefonverbindung könnte unterbrechen – schließlich kann er alleine nichts am Handy machen. Seinen Zimmernachbarn wollte er nicht immer fragen. Also Standleitung, 13 Stunden lang. Tag für Tag.

Irgendwie mussten wir das Problem des Besuchsverbots ja lösen. 

Wir haben ihm beim Schlafen zugehört, beim Unterhalten mit dem Zimmernachbarn, bei der Physio und auch bei den danach eingetretenen Schmerzen. Wir haben versucht ihn aufzumuntern, haben gescherzt und auch er hatte einige Momente, in denen er lachen konnte.

Da und doch nicht da! Nur wegen CORONA!

Zuhause wird er seine Hände immer noch nicht nutzen können und extrem eingeschränkt sein – aber wenigstens zu Hause. In gewohnter Umgebung – mit seiner Familie und seiner Freundin!

Kein Corona – und doch „corona-geschädigt“.

Ich ziehe ‘nen Hut – vor meinen Kindern

Ich ziehe ‘nen Hut – vor meinen Kindern

Ein Tag, wie jeder andere? Nein, wohl kaum. Denn heute werden Lehrkräfte deutschlandweit etwas tun müssen, das es in dieser Form noch nie gegeben hat: Sie müssen ihren Schüler/innen mitteilen, dass die Schulen ab dem 16.03.2020 vorerst geschlossen bleiben. Ein riesiger Aufwand folgt, denn niemand weiß, wie es weitergehen wird. Also werden alle SuS aufgefordert, Bücher und Co. mit nach Hause zu nehmen. 

Meine Tochter steckt mitten in der siebten Klasse, mein Sohn kurz vor seinen Abschlussprüfungen (Fachabi) und inmitten seiner Bewerbungsphase (Ausbildung). 

Ich arbeite selbst an einer Schule und so muss ich am darauffolgenden Montag vorerst ein letztes Mal zur Lehrerkonferenz, bevor auch wir in die Homeschooling-Phase (die erst noch organisiert werden muss) entlassen werden. Wie sollen meine Kollegin und ich unseren DaZ-Schülern “Deutsch im noch nie dagewesenen Homeschooling” beibringen? Aber das ist ein anderes Thema! 

Meine zwei Kinder sitzen indes bereits zu Hause fest und warten auf Infos, wie es weitergeht. Noch freuen sie sich über die “Zwangspause” – um drei Wochen verlängerte Osterferien hören sich ja auch erstmal gut an. 

Alles steht still

Mein Sohn hat es gerade noch geschafft, ein zweitägiges Probearbeiten hinzulegen, bevor die Schulen schließen und auch das Unternehmen seine Pforten für zwei Wochen dicht macht, letztendlich auch die Büro-Arbeitszeiten ins Homeoffice verlegt. Was wird nun? Wird es sich das Unternehmen leisten können, tatsächlich Auszubildende einzustellen? Was, wenn nicht? Wo soll er sich jetzt in Corona-Zeiten noch bewerben? Und wird er überhaupt seinen Abschluss machen können? Wie laufen die Prüfungen ab? Finden sie überhaupt statt? Alles Fragen, auf deren Antworten wir noch eine gefühlte Ewigkeit warten werden. 

Dennoch: Sohnemann bleibt gut gelaunt. 

Meine Tochter geht, wie bereits erwähnt, in die siebte Klasse – da brauchen wir unsere Gehirnzellen noch nicht ganz so dolle beanspruchen. Hoffen wir! 

Töchterchen bleibt guter Dinge. 

Eine Woche vergeht – jetzt wird klar: Ne, Ferien sind das nicht! Denn in den Ferien kann man etwas unternehmen, schwimmen gehen, Kartfahren, mit Freunden treffen. Jetzt herrscht der Lockdown. Nichts kann man machen – meine Tochter kann nicht einmal mit ihrem Bruder und seiner Freundin draußen rumlaufen, weil sich ja nur 2 Personen aus verschiedenen Haushalten treffen dürfen. Ihre beste Freundin kann sie nicht treffen, denn diese muss zu Hause bleiben. Zu groß ist die Angst der vorerkrankten Mutter, sich das fiese und gefährliche Virus ins Haus zu holen, von dem wir noch so wenig wissen. 

Langeweile steigt, Ungewissheit prägt – und dennoch: Gute Laune bleibt! 

Ostern mal anders

Die Osterferien beginnen. In den letzten drei Wochen haben wir neben den Hausaufgaben meiner Kinder und meinem Online-DaZ-Unterricht versucht, uns die Zeit zu vertreiben. Mein Mann musste arbeiten. Früh und spät. Ganz normal. Doch jetzt hat er erstmal Urlaub. Die erste Ferienwoche verbringen wir in unserem Garten – das Wetter ist gut, so dass wir tagelang Unkraut ziehen, Blumen pflanzen etc. 

Mein Sohn und seine Freundin hängen rum, ebenso wie meine Tochter. Zum Glück spielen sie auch mal etwas zu dritt, Karten und Gesellschaftsspiele. Naja, komm – ehrlich: Der ein oder andere kleine Streit darf natürlich nicht fehlen, immerhin sind es Geschwister mit 5 Jahren dazwischen. Ob das wohl schlimmer wird? 

Das Osterfest fällt mau aus – kein Besuch, kein Treffen mit der Familie. Und auch sonst: Einfach nix. Wir gammeln rum, fahren Fahrrad. 

Zweite Ferienwoche: Gespannt warten wir auf die große Pressekonferenz. Wie wird es nach den Ferien weitergehen? Wann beginnt die Schule wieder? 

10er dürfen wieder – ich auch, meine Kinder nicht

Die Abschlussjahrgänge dürfen wieder in die Schule. Naja, mein Sohn ganze zwei Mal circa 1,5 Stunden. Denn seine Abschlussprüfungen stehen an. Unterricht gibt’s nicht mehr. 

Töchterchen darf weiter ihr Dasein zu Hause fristen. Mein Mann muss wieder arbeiten. 

Und ich? Ich werde teils für die Betreuung einiger SuS eingeteilt, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten und versuche ansonsten weiterhin, unsere DaZ-SuS am Ball zu halten. Nicht einfach. Meine Tochter muss also oft alleine zu Hause bleiben. Zum Glück ist sie schon in der Lage dazu. Dennoch: Schön finde ich das nicht. Wir alle dürfen mal wieder was anderes sehen – sie nicht! 

Es dauert ein paar Tage, bis die nächste Botschaft via Pressekonferenz ins Haus flattert: Plötzlich sollen alle Jahrgänge wieder unterrichtet werden – aber in kleinen Klassengruppen. Ein rollierendes Schulsystem soll eingeführt werden. An meiner Schule funktioniert das ganz gut, finde ich. Die Schüler/innen haben zwei Mal in der Woche je drei Stunden Unterricht: Deutsch, Mathe, Englisch. Ich darf, wie viele andere auch, plötzlich fachfremd, aber angekoppelt an Fachlehrer, Deutsch und Englisch unterrichten. Mein Sohn steckt mitten in seinen Prüfungen.

Schüler/innen erzählen mir von ihren Erfahrungen während des Homeschoolings. Oft war dies gar nicht möglich. Kein Internet. Kein Computer. Keine Ruhe! Streit zwischen Geschwistern. Teils auch zwischen den Eltern, die unter Volldampf standen. Da kann ich ja froh sein, dass wir Internet, Endgeräte und die nötige Ruhe zu Hause gewähren können. 

Und Töchterchen? 

Nix! Zu viele SuS besuchen das Gymnasium. Die siebte Klasse wird vorerst weiter im Homeschooling stecken. Mittlerweile ist sie schnell geworden – bekommt montags morgens ihre Aufgaben und ist mittags fertig damit. Vorher war sie abends fertig. Die restliche Woche hockt sie rum. Denn ich bin ja vier Mal die Woche in der Schule. Mein Mann ist arbeiten. Youtube und TikTok verkürzen gefühlt ihre Zeit. Was kann ich tun? 

Sohnemann hat mittlerweile Bescheid bekommen – er muss sich noch ärztlichen Untersuchungen beugen, bevor man ihm eine abschließende Antwort bezüglich der Ausbildung geben kann. Gesagt, getan.  

Weitere zwei Wochen später – auch Töchterchen bekommt nun Bescheid, wie ihr Unterricht aussehen wird: Einen Tag pro Woche wird sie vier UE haben. In vier Wochen beginnen die Sommerferien. Also besucht sie noch vier Mal die Schule. Hm, naja! Die restliche Zeit hängt sie rum – denn: Ich muss ja arbeiten. Zum Glück haben mein Sohn und seine Freundin Verständnis für sie und spielen oft mit ihr. Aber irgendwann wird das auch langweilig. 

Weitere Tage des Wartens später – endlich die Erlösung für meinen Sohn: Ausbildungsvertrag unterschrieben! 

Er freut sich – wir uns auch. Trotz Corona-Zeit alles unter Dach und Fach. Endlich. Auch seinen Abschluss hat er jetzt in der Tasche! 

Mehr Unterricht in den Ferien… 

… als während der Schulzeit. Ich darf, nachdem es in den Osterferien ausfallen musste, in den Sommerferien unter bestimmten hygienischen Bedingungen das FerienIntensivTraining FIT in Deutsch durchführen. 

Töchterchen ist jeden Tag mit dabei. In diesen zwei Wochen hat sie (auch wenn es DaZ ist) mehr Unterricht als in den Wochen davor – so fühlt es sich jedenfalls an. Endlich aber kann sie mal etwas anderes sehen als unsere eigentlich ganz schöne Wohnung. 

Und danach: Wieder rumsitzen. Aber diesmal können wir wenigstens ein paar Dinge unternehmen – und sie kann mit Sohnemann und seiner Freundin raus. Ein paar Mal konnte sie sich auch schon mit ihrer Freundin verabreden. Es scheint besser zu werden. Dennoch: Langeweile bleibt nicht aus. Töchterchen bleibt gut gelaunt. 

Nun stehen wir kurz vor dem Schulstart. Mittlerweile wissen wir, dass ein “normaler” Unterricht mit Maskenpflicht stattfinden soll. Uns grault es ein bisschen, denn am Mittwoch soll es sehr heiß werden. Töchterchen wird bis 12.55 Uhr mit Maske in der Schule sitzen. Wie das klappt, wie es abläuft und ob es etwas bringt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Hoffentlich bleibt sie weiter so optimistisch und gut gelaunt – vor allem aber gesund! 

Mein Sohn hat mittlerweile seine Ausbildung begonnen – die erste Woche ist geschafft. Auch er muss eine Maske tragen, nicht immer, aber oft. 

Diesmal werde ich “zu Hause sitzen”, denn mein Vertrag mit der Schule ist abgelaufen. Dann werde ich jetzt merken, wie es meinen Kindern wochenlang erging. Denn “just for fun” die Maske tragen möchte ich nicht, um mir einen Zeitvertreib zu schaffen – mir reichen die 10 Minuten beim Einkaufen. Im Gegensatz zu meinen Kindern kann ich mich dazu entscheiden. 

Die Herbstferien stehen vor der Tür. Und immer mehr Bildungseinrichtungen berichten von einzelnen Jahrgängen, die vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt werden. Ich arbeite auf Honorar auch weiterhin in der Schule. Die Maskenpflicht im Klassenraum ist mittlerweile aufgehoben worden und dennoch sitzen viele Schülerinnen und Schüler mit der Maske auf Nase und Mund in der Klasse. Ob es etwas bringt, wenn nicht alle an einem Strang ziehen, wird sich zeigen.

Neue Regelungen nach den Herbstferien – alle 20 Minuten sollen die Klassenräume gelüftet werden. Aha. Maskenpflicht besteht wieder, auch im Klassenraum. Die Zahlen steigen und noch wissen wir nicht, wie es um das Weihnachtsfest steht.

Mein Sohn, seine Freundin und auch meine Tochter haben sich mit der Situation abgefunden, gehen nicht ohne Maske aus dem Haus. Auch mir ist sie ein stetiger Begleiter.

Hut ab! 

Warum ich das alles hier schreibe? Weil ich meinen Kindern und auch der Freundin meines Sohnes einfach mal sagen möchte:

Ich bin stolz auf euch! Ihr habt 6 Monate lang ein Leben geführt (und führt es noch), das wir uns niemals erträumen hätten können. Dennoch habt ihr eure Lebensfreude nicht verloren, ebenso wenig wie euren Humor. Ihr habt “mitgespielt”, ohne Wenn und Aber. Kein Murren und Knurren. Ihr habt eure Ziele nicht aus den Augen verloren und vor allem auch erreicht. Hut ab!!! 

Spürbar. Anders.

Spürbar. Anders.

Spürbar. Anders. Die Regale sind aufgefüllt, die Frischetheke ebenso. Ich bekomme also alles, was ich möchte. Aufs Klopapier achte ich gar nicht. Wir haben noch. Das Nudelregal jedoch fällt mir auf. Nicht, weil es wie immer seit Tagen leer ist, sondern, weil dort zwei fette rote Zettel hängen: Nudeln wurden leider nicht nachgeliefert, wir bitten um Ihr Verständnis. Ist es soweit? Gehen uns nun dank der sinnlosen Hamsterkäufe die Grundnahrungsmittel aus? Nein, ich denke nicht! Anders als sonst ist es allemal. 

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Warschaus schlagendes Herz

Warschaus schlagendes Herz

Ich stehe inmitten eines dunklen Raums, um mich herum die Zeichen des Nationalismus. Auf dem Ohr unter anderem die deutsche Erläuterung zu den Machenschaften der Nazis innerhalb des zweiten Weltkriegs und insbesondere beim Warschauer Aufstand. Was dort passiert ist, ist unbeschreiblich unmenschlich. Die skrupellosen Morde. Die würdelose Ausbeutung. Ich bin sprachlos. All das haben unsere, meine, Vorfahren gemacht. All den Hass verbreitet, all die Propaganda. Mit jedem einzelnen Opfer starb die Menschlichkeit. “Ich kann nichts dagegen tun”, schießt mir durch den Kopf. “Ich trage keine Schuld!”

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