„Es ist alles so schön grün hier!”

Drei Tage lang besuchte eine dreiköpfige japanische Delegation und eine Dolmetscherin das Städtchen Arnsberg im Sauerland, um für eine japanische Studie die Strukturen rund um die Pflege älterer Menschen näher kennen zu lernen. Ehrenämter, niederschwellige Angebote und professionelle Leistungen. Insbesondere die Menschen selbst, die sich ehrenamtlich oder eher bürgerschaftlich engagieren, wollten die Wissenschaftler interviewen. Dabei folgten sie einem strammen Programm der Fachstelle Zukunft Alter (Marita Gerwin, Stadt Arnsberg), das sie mit den einzelnen Akteuren aus Arnsberg zusammen bringen sollte. Und meine Wenigkeit mittendrin – für eine Reportage der besonderen Art.

Ich möchte hier aber weniger über den straffen Zeitplan und dessen Inhalte erzählen (das folgt in einer ausführlichen Reportage), als vielmehr von den Momenten zwischendurch. Die Momente, in denen es uns wirklich möglich war, das Gegenüber ein wenig kennen zu lernen. Minuten, die uns gezeigt haben: Arbeit macht Spaß!

Einen ersten solchen Moment erlebten wir beim Kennenlernen vom Projekt “KIDZELN – Kindern Demenz erklären”. Auch wenn Mr. Shirakawa, Mr. Watanabe, Mr. Ogami und die Dolmetscherin Mrs. Yoshida anfangs noch zurückhaltend wirkten, so ließen sie sich schnell ins Geschehen einbinden – und versuchten letztendlich auch, die einzelnen Erinnerungen (Seifenblasen) einzufangen.

Eine ebenso schöne Erfahrung zeigte sich in der Caritas Tagespflege – beim Besuch des AWO Kindergartens. Lachende Gesichter – viel Spaß mit Frau Holles Kissen und eine lockere Atmosphäre, in der auch Federn im Haar erlaubt waren.

Spannend war auch der kleine Einblick in die japanische Kampfkunst Aikidó – 合気道, Ai „Harmonie“, Ki „Lebensenergie“, „universelle Energie“, „Lebensweg“-, die uns Mr. Shirakawa,  Director, National Institute for Health Economics and Policy, innerhalb der Kneipp-Stunde echt eindrucksvoll zeigte. Bei dieser Kampfkunst, übersetzt in etwa „Weg zur Harmonie der Kräfte“, liegt die Betonung auf dem “Ki”.
Meine persönliche schönste Erinnerung wird jedoch der kleine Pausenausflug zur Arnsberger Schlossruine und der Spaziergang zum JBZ Arnsberg bleiben – denn in dieser Zeit ergaben sich auch kleine, aber feine Gespräche außerhalb des Studienthemas “Alter und Demenz”.

Beeindruckend fand Mr. Watanabe zum Beispiel die Aussicht, die sich ihm von der Schlossruine aus über Arnsberg bot. Und überhaupt – irgendwie sei alles so schön gemischt grün in Arnsberg – das städtische Leben und die Natur, so der Lecturer der Seikei University in Japan. Sie waren so begeistert, dass sie es sich auch nicht nehmen ließen, vor ihrer Abreise noch einmal den Schlossberg und die Ruine alleine und in aller Ruhe zu besuchen.

Auf dem Weg ins Jugendbegegnungszentrum – wo wir aufgrund eines Café-Besuchs und dem Genuss eines leckeren Pfannkuchens auch glatt noch fünf Minuten zu spät eintrafen – unterhielten Mr. Watanabe und ich uns über die Dolmetscherin Mrs. Yoshida dann auch noch über das Vertrauen in unsere Kinder.

In Japan werden die Jugendlichen zum Beispiel teils mit einem GPS-Sender ausgestattet, damit die Eltern kontrollieren können, ob sie zum Beispiel auch wirklich beim Musikunterricht oder bei der Nachhilfe angekommen sind. Die Sorge japanischer Eltern, dass ihren Kindern auf dem Weg etwas zustoßen könnte (… oder sie aus freien Stücken nicht ankommen), sei sehr hoch. Auch wenn ich die Idee ganz witzig fand, so erklärte ich ihm, dass hier bei uns dann doch das Vertrauen mehr wiegt und man – wir sind ja schließlich “auf dem Land” – bisher noch recht unbesorgt sein könnte.

Im JBZ angekommen, zeigten sich die Japaner eher verwundert darüber, dass dort ein Billardtisch stand – in Japan dürften die Jugendlichen so etwas noch nicht spielen. Auch hier versuchte ich Einblick zu geben, indem ich erklärte, dass die Jugendlichen ja nicht um Geld spielen und dass hier in Deutschland das Spielen an Spielautomaten erst erlaubt ist, wenn man volljährig ist etc. Billard war aber eh eher uninteressant – vielmehr interessierten sich die Gäste für den Kicker-Tisch und ließen es sich auch nicht nehmen, mal eben “einen Ball zu spielen”.

Der absolute “Eisbrecher” war meiner Meinung nach letztendlich der lustige Mitmach-Zirkus der Jugendlichen des JBZ Arnsberg. Hier konnte sich wirklich keiner mehr halten – alle machten mit und hatten riesigen Spaß! “Es ist ein anderes Gefühl – mit den roten Nasen!”, betonte Mr. Watanabe im Interview danach. Mr. Ogami, International Longevity Center-Japan, zeigte sich wirklich sehr sportlich mit den Tüchern.

Insgesamt fand ich die drei Tage sehr interessant und informativ – vor allem aber auch lustig. Denn den einen oder anderen Lacher gab es trotz ernsthaftem Thema immer! Ich freue mich schon riesig auf die Ausarbeitung der multimedialen Reportage, die jetzt für mich ansteht …

Ein Kommentar

  1. Liebe Thora Meissner. Danke für den Blick hinter die Reportage. Es zeigt, wie offen und vertrauensvoll wir miteinander umgegangen sind. Und wie viel Spaß das gemeinsame Lernen macht. Über Länder und Kontinente hinweg. Wenn Herz und Verstand gleichermaßen gefordert sind.

    Wir freuen uns sehr, dass Du uns mit Stift, Papier und Kamera begleitet hast und Deine Eindrücke in einer Reportage festhältst.

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