Glosse: Aus’m Sauerland, woll!?

„Kommt ihr aus dem Sauerland?“, diese Frage habe ich in meinem ganzen Leben noch nie so oft gehört wie in Bremen! In der Stadt, in der Weinbar – ja, sogar in der Straßenbahn. Und ich dachte immer, dass wir Hochdeutsch sprechen – war wohl nix, woll!

Dass wir Landeier in der Hansestadt mit rund 600000 Einwohnern auffallen, weil wir orientierungslos durch die Straßen irren, weil wir mit der Straßenbahn in die falsche Richtung fahren oder weil wir innerhalb des Dialoges der Generationen als Arnsberger vorgestellt werden, hab‘ ich mir vorstellen können. Aber dass wir aufgrund unseres „Dialekts“ (Haben wir überhaupt einen?) ertappt werden …? Unfassbar!

„Ihr seid aus dem Sauerland, oder?“
„Ja, wie kommen Sie darauf?“
„Das hört man!“

Kannse ma sehen – da juckeln wir nach Bremen, freuen uns auf den Bremer Schnack und kriegen’s knüppeldicke! Und ich dachte immer, dass wir „diese typischen sauerländischen Wortkreationen“ nicht verwenden. Dass wir Hochdeutsch sprechen. Dass WIR die Generation sind, der Sprachexoten direkt auffallen. Das war wohl nix!

Aber wie sollen wir es den Bremern verübeln, wenn diese selbst aus dem Sauerland stammen? Richtig – gar nicht! Bereits im Bremer Presseclub stoßen wir auf den ersten „ehemaligen Sauerländer“ – Theo Schlüter! Ja, richtig gelesen – der in Bremen wie ein kunterbunter Hund bekannte pensionierte Radio-Moderator kommt gebürtig aus dem Sauerland. Aus Brilon, um genau zu sein. Kein Wunder, dass wir für den Vorsitzenden des Bremer Presseclubs also nicht nur auf dem Papier echte Sauerländer sind. 

Des Abends in einer schnuckeligen Weinbar der zweite Treffer! „Kommen Sie aus dem Sauerland?“, hören wir plötzlich. Hinter uns steht ein gespannter Mann, der uns fragend anschaut und weiter meint: „Das hört man!“ Ich krich die Pimpernellen – reden wir wirklich so eindeutig? Dieser Herr stammt zwar nicht aus dem Sauerland, aber lebte umme Ecke in Paderborn!

Interessant wurde es, als sich „ein weiterer Theo“ zu uns an die Bar gesellte. Denn dieser – der es ebenfalls direkt heraushörte, stammt auch aus dem Sauerland und lebt seit Jahrzehnten als nunmehr pensionierter Mathematiklehrer in Bremen. Ne – ich will euch nicht betuppen, is echt so!

Und was zog sie alle nach Bremen? Das Studium!

Selbst in der Straßenbahn trafen wir eine ehemalige Sauerländerin. Als wir uns von einer Dame bestätigen ließen, in der richtigen Straßenbahn zu sitzen, rechtfertigten wir uns damit, nicht aus Bremen, sondern aus dem Sauerland zu kommen. Und siehe da – auch die Dame lebte acht Jahre lang im Sauerland! „Ich fand es da richtig toll!“, lobte sie unser Land der tausend Berge.

Doch am letzten Tag in einem Café am Wahrzeichen von Bremen – den Bremer Stadtmusikanten – konnten wir dann doch nochmal unseren Instinkt beweisen. War ja auch nicht ganz so schwer, platzierte sich doch neben uns eine fünfköpfige Gruppe aus Holland. Ich könnt mich beömmeln! 

Wenn ihr das auch kennt, dann schreibt mal schnell, woll!

4 Kommentare

  1. Liebe Thora, das hast Du wunderbar auf den Punkt gebracht. Zwei waschechte Sauerländerinnen unterwegs in der Hansestadt Bremen,. Und ich dachte immer, wir sprechen Hochdeutsch. War doch sehr interessant, dass sich so nach und nach immer mehr Westfalen zu uns gesellten. Selbst der Präsident der Bremer Bürgerschaft outete sich als Westfale. Heimat verbindet!

  2. Stimmt ja alles und ist sehr schön geschrieben. Aber ich bin Westfale und deswegen auch pingelig. Ich meine, dass es „Kannze ma“ heißen muss statt „Kannse ma“. So hab‘ ich das wenigstens in der Schule gelernt.

  3. Liebe Thora,
    Deine schöne Glosse hat mich an jene Zeit erinnert, als ich nach Bremen kam. Fast 41 Jahre ist dies her. Seither bin ich Bremerin, Das wunderbare „Dorf mit Straßenbahnen“ ist mein Zuhause. Hier liebe und hier lebe ich, hier berühren mich Dinge und hier versuche ich authentisch zu sein. Ich komme aus NRW, aus der tiefsten Provinz, der Eifel. Als ich 1974 nach meiner Ausbildung in Düsseldorf nach Bremen starte, motivierte mich die Liebe. Meinen rheinischen Slang nahm ich mit, trotz reinstem Hochdeutsch. Bis zum heutigen Tag kann ich mich nicht ganz von ihm trennen. Aber auch ich „höre“ zumeist wenn Menschen aus einer anderen Region in Bremen Station machen. Und nicht selten hört man den Slang bis heute durch, nicht zu dolle, aber man hört es.;-) Hinzu kommt, viele Menschen machen es wie die Bremer Stadtmusikanten. Auch sie bleiben in Bremen „hängen“, solidarisch, herzlich, verbunden. Kann es etwas Schöneres geben? Und genau dies trifft auch auf Euch zwei zu. Wir bleiben uns verbunden… und solidarisch seid ihr eh „woll“.;-)) Herzliche Grüße ins wunderschöne Sauerland. Dort, wo der Dialog der Generationen schon lange angekommen und zuhause ist.,-)) Elsbeth Rütten

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