Deutsch lernen und integrieren während des Lockdowns

Deutsch lernen und integrieren während des Lockdowns

Von Aufgaben, die auf dem Bürgersteig erklärt werden und außerschulischen Aktivitäten, die schlichtweg fehlen

Wenn wir in Erinnerungen schwelgen, fallen uns die schönsten DaZ-Momente der letzten fünf Jahre ein. DaZ bedeutet “Deutsch als Zweitsprache” und ist Inhalt unserer täglichen Arbeit – wir unterrichten seit Februar 2016 zugewanderte Kinder und Jugendliche. Doch während der Unterricht nachmittags endet, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, auch außerhalb der schulischen Themenfelder eine gewisse Stütze für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien darzustellen. Als Ansprechpartner in verschiedensten Alltagsfragen und Co. da zu sein. Nachmittags, am Wochenende und auch in den Ferien.

Kein Wunder also, dass wir auch viele gemeinsame außerschulische Highlights zu unseren Erinnerungen zählen dürfen:
Wir gründeten eine internationale Trommelgruppe, traten mit unseren Djemben auf dem DIES und vielen weiteren Events auf. Ein riesiger Spaß – unsere Schüler/innen freuten sich immer auf diese abwechslungsreichen Gigs.
Wir besuchten die Tierschau der Hüstener Kirmes und heizten den Autoscootern auf der Kirmes richtig ein.
Wir aßen Eis oder Pizza, besuchten das Arnsberger Schloss.
Wir kochten gemeinsam kulinarisch vielfältige Rezepte während unserer Koch-AG.
Wir besuchten den Wochenmarkt, um dort die unterschiedlichen Gemüsearten und Obstsorten kennenzulernen
Wir verbrachten eine tolle Zeit auf der erstmals im Neheimer Zentrum aufgestellten Eislaufbahn.
Und wir fuhren sogar auf eine mehrtägige Klassenfahrt – in den Arnsberger Wald. Diese und viele weitere Aktivitäten förderten nicht nur das Deutschlernen, sondern auch das Wohlfühlen in dem ihnen anfangs fremden Land.

Unser DaZ-Unterricht in der Schule ist auf den individuellen Zugang eines jeden einzelnen Schülers bzw. einer jeden einzelnen Schülerin zur deutschen Sprache konzipiert – mit Bausteinen, die sich an dem sorgfältig ausgewählten Lehrwerk orientieren, einem individuellen Lerntempo und einer gezielten Einzelförderung unsererseits. Sehr groß war die Freude, auch unsererseits, als die ersten Schüler/innen, die wir seit 2016 unterrichteten, ihre Haupt- und Realschulabschlüsse (teils mit Q-Vermerk) in Empfang nahmen.

2019 – das Jahr, das uns zahlreiche Gänsehautmomente verschaffte, weil wir sahen, wie unsere DaZ-Schüler/innen, die nur wenige Jahre zuvor mit gar keinen oder wenigen Deutschkenntnissen zu uns kamen, erhobenen Hauptes in die weitere schulische Bildung und Berufsausbildung starteten.

Corona veränderte alles – für jeden

Das Jahr 2020 jedoch knallte uns mit voller Wucht einen Hammer vor den Kopf. Von heute auf morgen schlossen die Schulen im März. Drei Wochen vor den Osterferien. Übers Wochenende hinweg mussten wir uns eine Strategie überlegen, die es unseren DaZ-Schüler/innen ermöglichte, weiter Deutsch zu lernen und weiterhin die notwendige Unterstützung unsererseits zu erfahren.

Selbstverständlich merkten wir schnell, dass ein “Distanz-Unterricht” aufgrund der fehlenden digitalen Endgeräte nicht möglich war – schließlich besaßen viele unserer Schüler/innen lediglich ein Smartphone, nicht jedoch einen Laptop oder PC. Wir mussten also improvisieren. Während einige schlichtweg ihre Bausteine zu Hause weiter bearbeiteten und uns ihre Ergebnisse via Foto übermittelten, bekamen andere tagtäglich eine “digitale Übungsaufgabe”, kreiert via Google Formular – ohne Angabe der Nachnamen etc. Denn auch die datenschutzkonformen Regelungen mussten ja erst einmal gefunden werden. Jitsi ermöglichte es uns, zwischendurch auch mal “live” mit unseren Schüler/innen zu sprechen. Die digitalen Aufgaben konnten sie mit ihrem Smartphone bearbeiten. Die Möglichkeit, einem Schüler bzw. einer Schülerin einen Computer zur Verfügung zu stellen, gab es nur bedingt – einige Geräte wurden durch “Altgerätspenden” etwaiger Unternehmen zur Verfügung gestellt. Natürlich nicht flächendeckend.

Kurzerhand wurde alles heruntergefahren, jeglicher persönliche Kontakt. Kein Miteinander mehr. Wir versuchten, unseren Schüler/innen immer wieder die aktuellen Corona-Regeln, Infos und Nachrichten in verschiedensten Sprachen zu übermitteln, kommunizierten via Sprachnachrichten mit ihnen und fragten auch immer wieder nach ihrem Wohlbefinden. Stolz darauf, überhaupt mit allen Schüler/innen in Kontakt geblieben zu sein, starteten wir dann nach den Osterferien in das rollierende Schulsystem. Für unsere DaZ-Schüler/innen eine ebenfalls sehr schwierige Zeit, da wir (aufgrund der verbotenen Vermischung von Jahrgängen etc.) nur punktuell einen DaZ-Unterricht anbieten konnten. Sie saßen also im Deutschunterricht ihrer Klassenstufe und bearbeiteten die Aufgaben ihres DaZ-Unterrichts.

Eine turbulente Zeit – auch in Bezug auf die außerschulischen Aktivitäten, die selbstverständlich komplett zum Stillliegen kamen. Auch konnten wir die Familien nicht mehr besuchen – es wären schlichtweg zu viele persönliche Kontakte gewesen. Wir mussten uns also mit dem Zufriedengeben, was wir innerhalb des Schulgebäudes an Möglichkeiten bekamen. Ebenso nach den Sommerferien. Auch wenn das rollierende System aufgehoben und die Schüler/innen wieder tagtäglich in der Schule sein durften, mussten wir unseren Stundenplan nach Jahrgängen trennen. Der DaZ-Unterricht konnte also wieder nicht “wie vorher” durchgeführt werden. Aber wenigstens konnten wir unsere Schüler/innen wieder gezielter betreuen und unterrichten.

Auch das außerschulische Ferienprogramm “FIT in Deutsch” durfte sowohl in den Sommerferien als auch in den Herbstferien 2020 unter strengen Hygieneregeln stattfinden – eine willkommene Abwechslung im durch Corona doch nach wie vor recht tristen Alltag. Man merkte, dass den Teilnehmer/innen diese Abwechslung gut tat und sie sich auf diese Ferienfreizeit inkl. Intensivtraining freuten.

Der zweite Lockdown

Tagtäglich versorgten wir unsere Schüler/innen mit aktuellen Informationen zum Corona-Virus, insbesondere die steigenden Fallzahlen und den ebenso steigenden Inzidenzwert. Wir erklärten Begriffe, erläuterten Zusammenhänge und richteten unser Augenmerk immer wieder auf die aktuellen Corona-Regeln, insbesondere Kontaktbeschränkungen.

Mitte Dezember dann der nächste Schock: Die Präsenzpflicht in der Schule wurde ausgesetzt. Nur die Schüler/innen der Klassen 5, 6 und 7 konnten die Schule besuchen, ab Klasse 8 stand der Distanz-Unterricht auf dem Plan.

Wieder eine Mammutaufgabe – nicht nur für uns, sondern für alle Schulen, Lehrer/innen und Schüler/innen.

Voller Spannung saßen wir zu Hause vor den TV-Geräten, um die Diskussionen um den verschärften Lockdown zu verfolgen.
Mit zwiegespaltener Haltung: Denn einerseits konnten und können wir natürlich die Aspekte der Entscheidungen nachvollziehen, andererseits wussten wir, was diese Vorgehensweise für unsere Schüler/innen bedeutet.

Nun – einiges hat sich geändert. Mittlerweile existieren digitale Schulsysteme, wie Itslearning und Iserv, die wir für den digitalen Unterricht verwenden können. Die grundsätzlichen Problematiken der fehlenden Endgeräte, des erschwerten Deutschlernens und dem fehlenden persönlichen Kontakt blieben jedoch.

Seit dem 11. Januar unterrichten wir digital. Auch unsere DaZ-Schüler/innen müssen sich, teilweise weiterhin mit dem Smartphone, einige mittlerweile mit einem aus der Schule ausgeliehenen Laptop, tagtäglich ins digitale Schulsystem einloggen und am Online-Unterricht teilnehmen.

Jedoch haben wir uns eine eigene Strategie einfallen lassen:
Wir betreuen unsere Schüler/innen nach wie vor auch persönlich – bringen ihnen teilweise ihre Bausteine und Lernaufgaben nach Hause, erklären ihnen diese vor der Haustür auf dem Bürgersteig (Kontaktsperre) und stehen ihnen JEDERZEIT via Schul-Messenger und Co. zur Verfügung.
Wir versuchen unser Bestes, ihnen nach wie vor jede Frage zu beantworten – ob schulisch geprägt oder nicht. Es funktioniert jedoch nur mit einer erhöhten Einsatzbereitschaft unsererseits und natürlich auch dem Lernwillen der Schüler/innen.
Die täglichen digitalen Aufgaben stellen für die DaZ-Schüler/innen immer wieder kleine Erfolgserlebnisse dar. Zudem erhalten sie täglich einen Witz des Tages oder auch einen Zungenbrecher des Tages, um das Ganze etwas aufzulockern und dem Lerndruck, dem sie ausgesetzt sind, etwas Freude und Spaß entgegenzustellen.

Wir können von vielen schwierigen, jedoch auch positiven Erfahrungen berichten und sind guter Dinge, dass es auch zukünftig funktionieren wird – denn noch wissen wir ja nicht, was in den nächsten Wochen auf uns zukommen wird.
Dennoch merken wir: Die Schüler/innen fallen zurück – nicht unbedingt, was ihre Deutschkenntnisse angeht, sondern explizit, was ihre Integration angeht.

Schüler/innen brauchen ihr soziales Netzwerk

Fußball spielen im Verein, schwimmen gehen mit Freunden, Chillen in der Stadt, Treffen bei Freunden, Kennenlernen von Menschen, Feiern im “E”, Djemben spielen auf dem DIES, Eis oder Pizza essen gehen in der Gruppe – all dies und vieles mehr fiel weg. Von heute auf morgen! Das gesamte außerschulische soziale Leben fiel weg – und auch bis heute konnte sich dieses nicht wieder aufbauen. Denn alles liegt brach.

“Ich möchte endlich wieder Fußball spielen”, hören wir immer wieder. Oder auch: “Ich lerne zu Hause gut, aber ich will endlich wieder meine Freunde sehen!”
Ebenso: “Ich kann zu Hause nicht lernen, weil meine Geschwister immer da rum laufen”, sowie: “Wann dürfen wir endlich wieder in die Schule gehen?”

Wurde der erste Lockdown von vielen Schüler/innen noch als “verlängerte Osterferien” oder gar “Corona-Ferien” gefeiert, geht ihnen der zweite Lockdown doch mittlerweile sichtlich mehr auf die Nerven. Und genau so ergeht es natürlich auch unseren DaZ-Schüler/innen. Für sie stellt dieses “Distanz-Lernen” und der damit fehlende persönliche Kontakt zu Bezugspersonen (Freunde, Lehrer/innen, Verwandte) außerhalb der Kernfamilie jedoch eine schier unüberwindbare Hürde dar, die sie daran hindert, sich mit voller Konzentration dem Deutschlernen zu widmen und sich zu integrieren. Sie erhalten nicht mehr so viele Gelegenheiten, die deutsche Sprache auch wirklich anzuwenden. Und sie fühlen sich oftmals auch abgehängt, weil sie sich viele der online und digital erstellten Aufgaben in den vielen sprachlastigen Fächern wie GL, Chemie, Physik etc. nur schwer selbst im Homeschooling erschließen können. Oft trauen sie sich dann aus Scham nicht, ihre Fachlehrer anzuschreiben und ihnen entsprechende Fragen zu stellen.

Und so ergeht es sicherlich nicht nur unseren DaZ-Schüler/innen, sondern auch vielen Schüler/innen an anderen Arnsberger Schulen – wie auch Lehrern und Lehrerinnen.

Kurzum: Wir wissen um die Problematiken, die das Corona-Virus außerhalb der Gesundheit mit sich bringt. Deshalb engagieren wir uns umso mehr, um unseren DaZ-Schüler/innen in dieser für sie besonders schwierigen Zeit unterstützen und zur Seite stehen zu können. Mit all unseren Kräften, mit all unserem Humor und auch mit all unseren Möglichkeiten.

Danke CORONA

Danke CORONA

Donnerstagmittag. Als sei es nicht schon schlimm genug, überhaupt von einem Unfall des eigenen Kindes zu hören, übertrumpfte diese Hiobsbotschaft: Besuchsverbot! Corona.

Mein Sohn ist 18 Jahre alt und damit bin ich meine Rechte los. Beide Arme seien gebrochen, so die telefonische Info. Er müsse sofort operiert werden. Ich solle mir keinen Kopf machen und brauche auch nicht kommen. Es brauche eh seine Zeit. Und außerdem bestünde ein Besuchsverbot. Man könne mich eh nicht zu ihm lassen.

Dennoch: Ich packte ihm ein paar Dinge ein – Kopfhörer, Kekse, Kleidung. Was man halt so mitgibt. Dass er seine Kekse gar nicht selbständig essen können wird – wusste ich da noch nicht. Dass er sogar Hilfe beim Aufsetzen seiner Kopfhörer brauchen wird, ebenso wenig. Eigentlich wusste ich gar nichts. 

Eine Fahrstunde später – verwirrt schaut man mich an: „Ich hatte Ihnen doch gesagt, dass Sie nicht kommen müssen!?“

Na, jetzt mal ehrlich: Interessiert mich das als Mutter? 

Kein einziges meiner Argumente nützte. Ich durfte nicht zu ihm. Er sei noch im OP.

Es zerreißt einem schlicht das Herz zu wissen, dass das eigene Kind vielleicht 50 Meter von einem entfernt liegt, man aber nichts machen kann. Wie in Trance fuhr ich zurück, den Kopf voller Fragen. Fragen, die mir zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten konnte.

Zuhause angekommen rief ich direkt im Krankenhaus an. Man vertröstete mich. Er sei noch nicht auf der Station. Zwei Stunden später – immer noch nix.

Eine Stunde später endlich der erlösende Anruf. Mein Sohn selbst. Ihm geht es schlecht. Seine Stimme zittert. Er hat Schmerzen. Seine Hände kann er nicht bewegen, darf es auch gerade nicht. Vollgepumpt mit Medikamenten fühlte er sich schwach. Er wollte nach Hause. Ich wäre sofort wieder zu ihm gefahren. Durfte es aber nicht!

Freitagmorgen. Immer noch unter Schmerzen. Heimweh.

Dazu noch die Angst, die Telefonverbindung könnte unterbrechen – schließlich kann er alleine nichts am Handy machen. Seinen Zimmernachbarn wollte er nicht immer fragen. Also Standleitung, 13 Stunden lang. Tag für Tag.

Irgendwie mussten wir das Problem des Besuchsverbots ja lösen. 

Wir haben ihm beim Schlafen zugehört, beim Unterhalten mit dem Zimmernachbarn, bei der Physio und auch bei den danach eingetretenen Schmerzen. Wir haben versucht ihn aufzumuntern, haben gescherzt und auch er hatte einige Momente, in denen er lachen konnte.

Da und doch nicht da! Nur wegen CORONA!

Zuhause wird er seine Hände immer noch nicht nutzen können und extrem eingeschränkt sein – aber wenigstens zu Hause. In gewohnter Umgebung – mit seiner Familie und seiner Freundin!

Kein Corona – und doch „corona-geschädigt“.

Ich ziehe ‘nen Hut – vor meinen Kindern

Ich ziehe ‘nen Hut – vor meinen Kindern

Ein Tag, wie jeder andere? Nein, wohl kaum. Denn heute werden Lehrkräfte deutschlandweit etwas tun müssen, das es in dieser Form noch nie gegeben hat: Sie müssen ihren Schüler/innen mitteilen, dass die Schulen ab dem 16.03.2020 vorerst geschlossen bleiben. Ein riesiger Aufwand folgt, denn niemand weiß, wie es weitergehen wird. Also werden alle SuS aufgefordert, Bücher und Co. mit nach Hause zu nehmen. 

Meine Tochter steckt mitten in der siebten Klasse, mein Sohn kurz vor seinen Abschlussprüfungen (Fachabi) und inmitten seiner Bewerbungsphase (Ausbildung). 

Ich arbeite selbst an einer Schule und so muss ich am darauffolgenden Montag vorerst ein letztes Mal zur Lehrerkonferenz, bevor auch wir in die Homeschooling-Phase (die erst noch organisiert werden muss) entlassen werden. Wie sollen meine Kollegin und ich unseren DaZ-Schülern “Deutsch im noch nie dagewesenen Homeschooling” beibringen? Aber das ist ein anderes Thema! 

Meine zwei Kinder sitzen indes bereits zu Hause fest und warten auf Infos, wie es weitergeht. Noch freuen sie sich über die “Zwangspause” – um drei Wochen verlängerte Osterferien hören sich ja auch erstmal gut an. 

Alles steht still

Mein Sohn hat es gerade noch geschafft, ein zweitägiges Probearbeiten hinzulegen, bevor die Schulen schließen und auch das Unternehmen seine Pforten für zwei Wochen dicht macht, letztendlich auch die Büro-Arbeitszeiten ins Homeoffice verlegt. Was wird nun? Wird es sich das Unternehmen leisten können, tatsächlich Auszubildende einzustellen? Was, wenn nicht? Wo soll er sich jetzt in Corona-Zeiten noch bewerben? Und wird er überhaupt seinen Abschluss machen können? Wie laufen die Prüfungen ab? Finden sie überhaupt statt? Alles Fragen, auf deren Antworten wir noch eine gefühlte Ewigkeit warten werden. 

Dennoch: Sohnemann bleibt gut gelaunt. 

Meine Tochter geht, wie bereits erwähnt, in die siebte Klasse – da brauchen wir unsere Gehirnzellen noch nicht ganz so dolle beanspruchen. Hoffen wir! 

Töchterchen bleibt guter Dinge. 

Eine Woche vergeht – jetzt wird klar: Ne, Ferien sind das nicht! Denn in den Ferien kann man etwas unternehmen, schwimmen gehen, Kartfahren, mit Freunden treffen. Jetzt herrscht der Lockdown. Nichts kann man machen – meine Tochter kann nicht einmal mit ihrem Bruder und seiner Freundin draußen rumlaufen, weil sich ja nur 2 Personen aus verschiedenen Haushalten treffen dürfen. Ihre beste Freundin kann sie nicht treffen, denn diese muss zu Hause bleiben. Zu groß ist die Angst der vorerkrankten Mutter, sich das fiese und gefährliche Virus ins Haus zu holen, von dem wir noch so wenig wissen. 

Langeweile steigt, Ungewissheit prägt – und dennoch: Gute Laune bleibt! 

Ostern mal anders

Die Osterferien beginnen. In den letzten drei Wochen haben wir neben den Hausaufgaben meiner Kinder und meinem Online-DaZ-Unterricht versucht, uns die Zeit zu vertreiben. Mein Mann musste arbeiten. Früh und spät. Ganz normal. Doch jetzt hat er erstmal Urlaub. Die erste Ferienwoche verbringen wir in unserem Garten – das Wetter ist gut, so dass wir tagelang Unkraut ziehen, Blumen pflanzen etc. 

Mein Sohn und seine Freundin hängen rum, ebenso wie meine Tochter. Zum Glück spielen sie auch mal etwas zu dritt, Karten und Gesellschaftsspiele. Naja, komm – ehrlich: Der ein oder andere kleine Streit darf natürlich nicht fehlen, immerhin sind es Geschwister mit 5 Jahren dazwischen. Ob das wohl schlimmer wird? 

Das Osterfest fällt mau aus – kein Besuch, kein Treffen mit der Familie. Und auch sonst: Einfach nix. Wir gammeln rum, fahren Fahrrad. 

Zweite Ferienwoche: Gespannt warten wir auf die große Pressekonferenz. Wie wird es nach den Ferien weitergehen? Wann beginnt die Schule wieder? 

10er dürfen wieder – ich auch, meine Kinder nicht

Die Abschlussjahrgänge dürfen wieder in die Schule. Naja, mein Sohn ganze zwei Mal circa 1,5 Stunden. Denn seine Abschlussprüfungen stehen an. Unterricht gibt’s nicht mehr. 

Töchterchen darf weiter ihr Dasein zu Hause fristen. Mein Mann muss wieder arbeiten. 

Und ich? Ich werde teils für die Betreuung einiger SuS eingeteilt, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten und versuche ansonsten weiterhin, unsere DaZ-SuS am Ball zu halten. Nicht einfach. Meine Tochter muss also oft alleine zu Hause bleiben. Zum Glück ist sie schon in der Lage dazu. Dennoch: Schön finde ich das nicht. Wir alle dürfen mal wieder was anderes sehen – sie nicht! 

Es dauert ein paar Tage, bis die nächste Botschaft via Pressekonferenz ins Haus flattert: Plötzlich sollen alle Jahrgänge wieder unterrichtet werden – aber in kleinen Klassengruppen. Ein rollierendes Schulsystem soll eingeführt werden. An meiner Schule funktioniert das ganz gut, finde ich. Die Schüler/innen haben zwei Mal in der Woche je drei Stunden Unterricht: Deutsch, Mathe, Englisch. Ich darf, wie viele andere auch, plötzlich fachfremd, aber angekoppelt an Fachlehrer, Deutsch und Englisch unterrichten. Mein Sohn steckt mitten in seinen Prüfungen.

Schüler/innen erzählen mir von ihren Erfahrungen während des Homeschoolings. Oft war dies gar nicht möglich. Kein Internet. Kein Computer. Keine Ruhe! Streit zwischen Geschwistern. Teils auch zwischen den Eltern, die unter Volldampf standen. Da kann ich ja froh sein, dass wir Internet, Endgeräte und die nötige Ruhe zu Hause gewähren können. 

Und Töchterchen? 

Nix! Zu viele SuS besuchen das Gymnasium. Die siebte Klasse wird vorerst weiter im Homeschooling stecken. Mittlerweile ist sie schnell geworden – bekommt montags morgens ihre Aufgaben und ist mittags fertig damit. Vorher war sie abends fertig. Die restliche Woche hockt sie rum. Denn ich bin ja vier Mal die Woche in der Schule. Mein Mann ist arbeiten. Youtube und TikTok verkürzen gefühlt ihre Zeit. Was kann ich tun? 

Sohnemann hat mittlerweile Bescheid bekommen – er muss sich noch ärztlichen Untersuchungen beugen, bevor man ihm eine abschließende Antwort bezüglich der Ausbildung geben kann. Gesagt, getan.  

Weitere zwei Wochen später – auch Töchterchen bekommt nun Bescheid, wie ihr Unterricht aussehen wird: Einen Tag pro Woche wird sie vier UE haben. In vier Wochen beginnen die Sommerferien. Also besucht sie noch vier Mal die Schule. Hm, naja! Die restliche Zeit hängt sie rum – denn: Ich muss ja arbeiten. Zum Glück haben mein Sohn und seine Freundin Verständnis für sie und spielen oft mit ihr. Aber irgendwann wird das auch langweilig. 

Weitere Tage des Wartens später – endlich die Erlösung für meinen Sohn: Ausbildungsvertrag unterschrieben! 

Er freut sich – wir uns auch. Trotz Corona-Zeit alles unter Dach und Fach. Endlich. Auch seinen Abschluss hat er jetzt in der Tasche! 

Mehr Unterricht in den Ferien… 

… als während der Schulzeit. Ich darf, nachdem es in den Osterferien ausfallen musste, in den Sommerferien unter bestimmten hygienischen Bedingungen das FerienIntensivTraining FIT in Deutsch durchführen. 

Töchterchen ist jeden Tag mit dabei. In diesen zwei Wochen hat sie (auch wenn es DaZ ist) mehr Unterricht als in den Wochen davor – so fühlt es sich jedenfalls an. Endlich aber kann sie mal etwas anderes sehen als unsere eigentlich ganz schöne Wohnung. 

Und danach: Wieder rumsitzen. Aber diesmal können wir wenigstens ein paar Dinge unternehmen – und sie kann mit Sohnemann und seiner Freundin raus. Ein paar Mal konnte sie sich auch schon mit ihrer Freundin verabreden. Es scheint besser zu werden. Dennoch: Langeweile bleibt nicht aus. Töchterchen bleibt gut gelaunt. 

Nun stehen wir kurz vor dem Schulstart. Mittlerweile wissen wir, dass ein “normaler” Unterricht mit Maskenpflicht stattfinden soll. Uns grault es ein bisschen, denn am Mittwoch soll es sehr heiß werden. Töchterchen wird bis 12.55 Uhr mit Maske in der Schule sitzen. Wie das klappt, wie es abläuft und ob es etwas bringt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Hoffentlich bleibt sie weiter so optimistisch und gut gelaunt – vor allem aber gesund! 

Mein Sohn hat mittlerweile seine Ausbildung begonnen – die erste Woche ist geschafft. Auch er muss eine Maske tragen, nicht immer, aber oft. 

Diesmal werde ich “zu Hause sitzen”, denn mein Vertrag mit der Schule ist abgelaufen. Dann werde ich jetzt merken, wie es meinen Kindern wochenlang erging. Denn “just for fun” die Maske tragen möchte ich nicht, um mir einen Zeitvertreib zu schaffen – mir reichen die 10 Minuten beim Einkaufen. Im Gegensatz zu meinen Kindern kann ich mich dazu entscheiden. 

Die Herbstferien stehen vor der Tür. Und immer mehr Bildungseinrichtungen berichten von einzelnen Jahrgängen, die vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt werden. Ich arbeite auf Honorar auch weiterhin in der Schule. Die Maskenpflicht im Klassenraum ist mittlerweile aufgehoben worden und dennoch sitzen viele Schülerinnen und Schüler mit der Maske auf Nase und Mund in der Klasse. Ob es etwas bringt, wenn nicht alle an einem Strang ziehen, wird sich zeigen.

Neue Regelungen nach den Herbstferien – alle 20 Minuten sollen die Klassenräume gelüftet werden. Aha. Maskenpflicht besteht wieder, auch im Klassenraum. Die Zahlen steigen und noch wissen wir nicht, wie es um das Weihnachtsfest steht.

Mein Sohn, seine Freundin und auch meine Tochter haben sich mit der Situation abgefunden, gehen nicht ohne Maske aus dem Haus. Auch mir ist sie ein stetiger Begleiter.

Hut ab! 

Warum ich das alles hier schreibe? Weil ich meinen Kindern und auch der Freundin meines Sohnes einfach mal sagen möchte:

Ich bin stolz auf euch! Ihr habt 6 Monate lang ein Leben geführt (und führt es noch), das wir uns niemals erträumen hätten können. Dennoch habt ihr eure Lebensfreude nicht verloren, ebenso wenig wie euren Humor. Ihr habt “mitgespielt”, ohne Wenn und Aber. Kein Murren und Knurren. Ihr habt eure Ziele nicht aus den Augen verloren und vor allem auch erreicht. Hut ab!!! 

Spürbar. Anders.

Spürbar. Anders.

Spürbar. Anders. Die Regale sind aufgefüllt, die Frischetheke ebenso. Ich bekomme also alles, was ich möchte. Aufs Klopapier achte ich gar nicht. Wir haben noch. Das Nudelregal jedoch fällt mir auf. Nicht, weil es wie immer seit Tagen leer ist, sondern, weil dort zwei fette rote Zettel hängen: Nudeln wurden leider nicht nachgeliefert, wir bitten um Ihr Verständnis. Ist es soweit? Gehen uns nun dank der sinnlosen Hamsterkäufe die Grundnahrungsmittel aus? Nein, ich denke nicht! Anders als sonst ist es allemal. 

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