„Von 0 auf 100 in elf Leben“ rast mitten ins Herz

„In dem Alter noch so gepflegte Fingernägel,“ waren mitunter die ersten Worte, die ich im Eingangsbereich der GEO-Fotoausstellung VON 0 AUF 100 IN ELF LEBEN im Kloster Wedinghausen (Arnsberg) vernahm. „Und noch so volles Haar. Wahnsinn!“

Was sich anfangs in der Optik widerspiegelte, wurde durch die Kurz-Vita des zum Zeitpunkt des Porträts 100-jährigen Models bestärkt: Eine echte Persönlichkeit. Ein mehr als turbulentes Leben. Eine starke Marga Spiegel (1912 – 2014)!

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Marga Spiegel überwiegend wohlbehütet, auch wenn es als deutsche Jüdin bereits in jungen Jahren Menschen gab, die ihr gegenüber weniger freundlich waren. Neun Jahre lang litt sie unter der Herrschaft Hittlers und drei Jahre lang lebte sie unter ständiger Todesangst – versteckt bei mutigen Münsteranern, die ihr und ihrer engsten Familie (Mann, Kind – alle anderen Familienmitglieder wurden getötet) selbstlos Unterschlupf und Schutz boten.

Später dann hat sie als jüdische Zeitzeugin der Nazi-Herrschaft und Autorin ihr Leben in Büchern verarbeitet und verewigt: z.B. 100 Jahre – 4 Leben.

Marga Spiegel hält auf dem Titelporträt die nicht einmal 1-jährige Leandra Beck auf dem Arm – 100 Jahre LEBEN trennen die beiden Models. Und doch sind sie sich so nah!

Und das ist nur die Geschichte eines Menschen! Olaf Martens, GEO-Fotograf, fotografierte im Jahre 2012 mehrere Kinder, Frauen und Männer, die ihren runden Geburtstag feierten. Die Porträt-Reihe stellt genau diese Menschen vor. Ihre Kindheit, ihre Jugend und vor allem ihre individuellen Lebensgeschichten.

Die GEO-Redakteurin Hanne Tügel interviewte hierzu jeden Porträtierten und schrieb die Geschichten nieder. Die Kurz-Viten sind innerhalb der Ausstellung neben jedem einzelnen Foto zu finden.

Fotoausstellung mit dem gewissen Etwas

Ich muss gestehen, dass ich bei dem Gedanken daran, für 11 Fotos nach Arnsberg zu fahren, schon ein wenig an meiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt habe – aber der Weg hat sich gelohnt! Denn neben diesen insgesamt 11 atemberaubenden Geschichten konnten wir tolle Karten begutachten, die allesamt im Stil von „Was heißt schon alt?“ erstellt wurden.

Außerdem lagen in einem großen Schaukasten mehrere Original-Liebesbriefe, die satte 100 Jahre alt sind. Gut – was letztendlich drin stand, kann ich euch gar nicht sagen.

Ein Highlight war die Klang-Ausstellung OPA-PARAZZI, die von Abiturienten des Mariengymnasiums in Arnsberg erstellt wurde. Hier wurden Interviews mit älteren Menschen aus der Umgebung geführt. Um etwas über deren Vergangenheit zu erfahren. Über das aktuelle Leben in der Rente. Und insbesondere über die Einstellungen der älteren Generationen gegenüber der „Jugend von heute“.

Ich gestehe – ich habe mir vor Ort nicht das gesamte Band angehört (es handelte sich schließlich um ein halbstündiges Interview – und das war nur ein Auszug), aber da ich wusste, dass diese Interviews auch online zu finden sind, konnte ich beruhigter Dinge „abschalten“.

Nun – es ist jetzt 1.37 Uhr in der Früh und ich sitze hier mit meinen Kopfhörern! Kann mich nicht losreißen. Wollt ihr wissen wieso? Dann hört doch mal rein: Opaparazzi Interview-Tracks!

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